Apple Music: Überzieht der Apfel seine Marktmacht?

Apple Music: Überzieht der Apfel seine Marktmacht?

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Apple Music

Vor rund 14 Jahren erblickte iTunes das Licht der Welt. Steve Jobs nutzte seine integrativen Fähigkeiten, brachte die Musikindustrie unter dem Dach des iTunes Stores zusammen und sagte dem damaligen Ausufern von illegalen Downloads den Kampf an. Seine „Erlöserrolle“ dankt ihm bis heute die Industrie – auch, wenn es eher eine Hassliebe ist. Apple ist bekannt für seine autoritäre Firmenpolitik, die auch vor den Major- und Indielabels keinen Halt macht.

Seit 2001 hat sich das Hörverhalten der Konsumenten stark verändert. CD’s spielten seit jeher eine immer untergeordnetere Rolle, Downloads übernahmen die Nummer 1 der Prioritätenliste. Nun stehen wir erneut vor einem Umbruch, bzw. befinden uns mittendrin! Streaming ist absolut salonfähig geworden. Dabei haben Unternehmen wie SoundCloud, Spotify, Pandora, LastFM und Napster einen erheblichen Anteil an der Entwicklung. Napster wagte damals den Schritt von der illegalen Tauschbörse hin zum legalen Streaming-Portal.

Der Konsument verzichtet mittlerweile liebend gern auf den Besitz von Songs und gewöhnt sich zunehmend an Abo-Tarife für Musik, Filme und Nachrichten.

Seit dem Ableben von Steve Jobs und der Übernahme des CEO-Postens durch Tim Cook, ist Apple wesentlich mehr dem aktuellen Trend verschrieben. Folglich erschien der Kauf von Beats by Dr. Dre und dem dazugehörigen Streaming-Service „Beats Music“ als logisch und konsequent.

Vor wenigen Wochen stellte Apple nun seinen eigenen Streaming-Service vor. Apple Music will vieles „richtiger“ machen als seine Konkurrenten, auf jeden Fall aber ist es eine krasse Korrektur von Apples altem „iTunes Radio“.

Nach der Präsentation waren die Spekulationen rund um das Thema der Künstlerbezahlung entfacht. Apples Konkurrenten sind nicht dafür bekannt üppige Tantiemen an die im Katalog vertretenen Künstler zu zahlen. Daran kranken nicht nur Newcomer, kleine Labels und Indie-Künstler, die Auswirkungen merken langsam aber sicher auch die großen Player. Der Hype um Apples neuen Service war deshalb groß und die Erwartungen noch größer.

In alter autoritärer Manier hat Apple wenige Wochen vor dem Start seines Services der Musikindustrie die Verträge vorgesetzt. Das Motto: Friss oder stirb! Highlight von Apple Music ist die dreimonatige Testphase. Üblich sind bei Apples Konkurrenten ein Monat.

Haken an der Sache: Apple möchte innerhalb dieser dreimonatigen Testphase keine Tantiemen an Künstler zahlen. Drei Monate Zahlungsausfall würde das für alle Teilnehmer bedeuten und ist vergleichbar mit folgender Situation: Stell dir vor, ein neues und hippes Modegeschäft eröffnet in deiner Stadt und fährt die ersten drei Monate absolute Kampfpreise, um Kunden zu locken. Natürlich beschäftigt das Geschäft zu dem Zeitpunkt bereits Mitarbeiter. Diese Mitarbeiter sehen aber die ersten drei Monate keinen einzigen Cent. Den Spaß macht keiner mit.

Namenhafte Künstler wie Adele und die ohnehin streaming-skeptische Taylor Swift haben den Vertrag abgelehnt und werden am 30. Juni, also beim Start von Apple Music, nicht dabei sein. In Deutschland regt sich ebenfalls Widerstand. Der „Verband unabhängiger Musikunternehmen“, kurz „VUT“, hat einen offenen Brief an Apple verfasst, welcher auf der Webseite des Vereins nachzulesen ist.

Und erstmals in der Musikgeschichte stellt sich die Frage: Hat der Apfel seine Marktmacht überzogen?

Einen Start mit leerem Katalog kann sich Apple nicht erlauben, jedoch ist es Apple möglich die Probemonate finanziell zu überbrücken. Das Unternehmen muss also abwägen, welche der beiden Optionen dem Geschäft zuträglicher ist.

Der Kampf zwischen der Musikindustrie und Apple wird bis zum Start noch einige Wendungen hervorbringen. Es bleibt abzuwarten, ob Apple seine Rahmenbedingungen überarbeitet oder nicht. Zu hoffen ist auf eine Einsicht in Cupertino.

Apple hat mit seinem neuen Service die Möglichkeit das Spiel des Streamens zu ändern und sich einen weiteren Ehrentitel zu ergattern. Diese zweite historische Chance sollte nicht verspielt werden.

—- Aktualisierung am 22. Juni 2015, 15 Uhr —-

Taylor Swift hat mit ihrem offenen Brief ein Umdenken bei Apple ausgelöst. Eddy Cue twitterte die Entscheidung!

 

Respekt, Jungs!
Wir sind gespannt auf den 30. Juni.

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