Kratom, botanisch als Mitragyna speciosa bekannt, sorgt seit Jahren für Diskussionen in Politik, Medizin und Forschung. Die Pflanze stammt aus Südostasien und wird dort traditionell seit Jahrhunderten verwendet. In Deutschland jedoch steht die Frage im Raum: Ist Kratom legal, oder droht ein Verbot?
Im Folgenden beleuchten wir detailliert die rechtliche Lage, die medizinischen Aspekte, die Risiken und die aktuelle Diskussion rund um Kratom in Deutschland.
Was ist Kratom?
Kratom ist ein tropischer Baum aus der Familie der Rubiaceae (Rötegewächse), der in Ländern wie Thailand, Malaysia und Indonesien heimisch ist. Seine Blätter enthalten mehr als 25 verschiedene Alkaloide, darunter besonders Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin, die auf die Opioidrezeptoren im Gehirn wirken.
Traditionell wird Kratom in seiner Heimatregion als Tee aufgekocht, gekaut oder zu Pulver verarbeitet. Die Wirkung reicht von stimulierend in niedriger Dosis bis hin zu sedierend und schmerzlindernd in höheren Mengen.
Rechtliche Lage von Kratom in Deutschland
Die entscheidende Frage lautet: Ist Kratom in Deutschland verboten?
- Kein Eintrag im BtMG: Stand 2025 ist Kratom nicht im Betäubungsmittelgesetz (BtMG) aufgeführt. Damit unterliegt es in Deutschland nicht denselben Regularien wie Cannabis, Kokain oder Opiate.
- Novel-Food-Problematik: Da Kratom als pflanzliches Produkt gilt, könnte es unter die Novel-Food-Verordnung der EU fallen. Diese schreibt vor, dass neuartige Lebensmittel ohne Zulassung nicht in den Verkehr gebracht werden dürfen.
- Arzneimittelgesetz (AMG): Kratom kann in bestimmten Fällen als nicht zugelassenes Arzneimittel eingestuft werden, insbesondere wenn Anbieter mit Wirkungen wie „Schmerztherapie“ oder „Heilung“ werben.
Fazit: Kratom ist in Deutschland aktuell nicht ausdrücklich verboten, bewegt sich jedoch in einer rechtlichen Grauzone.
Internationale Regulierung im Vergleich
Um die deutsche Situation besser zu verstehen, lohnt sich der Blick ins Ausland:
- Thailand: Ursprünglich verboten, wurde Kratom 2021 entkriminalisiert.
- USA: Unterschiedliche Regelungen je nach Bundesstaat; teilweise legal, teilweise verboten.
- Großbritannien: Seit 2016 ist Kratom im Rahmen des „Psychoactive Substances Act“ verboten.
- Niederlande: Kratom ist nicht im Opiumgesetz gelistet, allerdings überwacht.
Dieser internationale Vergleich zeigt, dass kein einheitlicher Umgang mit Kratom besteht.
Medizinische Aspekte von Kratom
Kratom enthält opioidähnliche Wirkstoffe, wirkt jedoch schwächer als klassische Opioide. Studien berichten von:
- Schmerzlindernden Effekten
- Stimmungsaufhellung und Anxiolyse (Angstlösungsminderung)
- Stimulation und erhöhter Wachheit in geringen Dosen
In Südostasien wird Kratom traditionell von Landarbeitern konsumiert, um Müdigkeit zu bekämpfen.
Risiken und Nebenwirkungen
Trotz möglicher Vorteile birgt Kratom gesundheitliche Risiken:
- Übelkeit, Schwindel, Verstopfung
- Abhängigkeitspotenzial bei regelmäßigem Konsum
- Entzugssymptome wie bei Opioiden
- Wechselwirkungen mit Medikamenten (z. B. Antidepressiva, Benzodiazepinen)
Forschung zu Kratom in Deutschland
Deutsche Universitäten und Institute beschäftigen sich zunehmend mit Kratom. Studien befassen sich vor allem mit:
- Pharmakologie von Mitragynin und 7-Hydroxymitragynin
- Therapeutischem Potenzial in der Schmerzmedizin
- Risiken für Abhängigkeit und Missbrauch
Die Datenlage ist allerdings noch begrenzt, da Kratom bisher nicht als Arzneimittel zugelassen ist und klinische Studien fehlen.
Kratom im deutschen Handel
Obwohl Kratom nicht verboten ist, gestaltet sich der Handel schwierig:
- Online-Shops: Zahlreiche Anbieter verkaufen Kratom als „nicht für den menschlichen Verzehr bestimmt“. Damit umgehen sie die Einstufung als Lebensmittel oder Arzneimittel.
- Apotheken: In deutschen Apotheken ist Kratom nicht erhältlich.
- Importe: Der Import von Kratom aus Drittländern kann vom Zoll gestoppt werden, wenn ein Verstoß gegen das AMG oder die Novel-Food-Verordnung vermutet wird.
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Warum Kratom rechtlich umstritten ist
Kratom steht aus mehreren Gründen im Fokus:
- Opioidähnliche Wirkung: Die Politik fürchtet eine Zunahme von Abhängigkeiten.
- Fehlende Regulierung: Es gibt keine klaren Qualitätsstandards oder Dosierungsvorgaben.
- Steigende Popularität: Immer mehr Menschen interessieren sich für Kratom als Alternative zu Schmerzmitteln oder Stimulanzien.
Diese Punkte führen zu einem Spannungsfeld zwischen Freiheit, Gesundheitsrisiken und Regulierung.
Kratom und mögliche Zukunft in Deutschland
Wie sich die Rechtslage entwickelt, ist unklar. Drei Szenarien sind denkbar:
- Verschärfung: Aufnahme ins BtMG und vollständiges Verbot.
- Regulierung: Zulassung als Arzneimittel oder Nahrungsergänzung mit strengen Vorgaben.
- Status quo: Weiterhin rechtliche Grauzone ohne klare Einordnung.
Politisch zeichnet sich derzeit keine eindeutige Richtung ab. Dennoch wächst das Interesse an einer einheitlichen Regelung innerhalb der EU.
Häufige Fragen zu Kratom in Deutschland
Ist der Besitz von Kratom strafbar?
Nein, solange Kratom nicht im BtMG steht, ist der Besitz nicht strafbar.
Kann Kratom beim Zoll beschlagnahmt werden?
Ja, insbesondere bei Bestellungen aus dem Ausland. Der Zoll entscheidet im Einzelfall.
Darf man Kratom verkaufen?
Der Verkauf ist nur dann erlaubt, wenn keine Heilversprechen gemacht werden. Anbieter müssen aufpassen, nicht gegen das AMG oder Lebensmittelrecht zu verstoßen.
Ist Kratom als Medizin zugelassen?
Nein, Kratom besitzt in Deutschland keine arzneimittelrechtliche Zulassung.
Fazit: Grauzone mit Unsicherheiten
Kratom bleibt in Deutschland ein rechtliches und gesellschaftliches Spannungsfeld. Derzeit gilt: Besitz und Konsum sind nicht strafbar, jedoch existieren erhebliche Risiken im Hinblick auf Handel, Import und Gesundheit.
Die Zukunft wird zeigen, ob Kratom als gefährliche Droge eingestuft oder als medizinisches Forschungsobjekt mit Potenzial behandelt wird. Derzeit ist Kratom aber legal in deutschen Onlineshops erhältlich. Wir beobachten die Situation.